Seite_77_Sehnsucht_bild_600.jpgDas Vanselow-Projekt


Die einen kennen ihn als bedeutenden Verleger der Lebensreformbewegung der Kaiserzeit, andere verehren ihn als Wegbereiter der "Nacktkultur" (später "Freikörperkultur" genannt) und wieder andere haben ihn nur als Verfasser von Gedichten auf Esperanto geschätzt.

Das Leben von Ludwig Karl Vanselow war widersprüchlich und kannte Höhen und Tiefen. Vor allem die Phase zwischen 1915 und 1945 gibt noch viele Rätsel auf.

Sicher ist, daß er sich nach einigen Jahren als Redakteur der "Deutschen Warte" in Berlin als Verleger betätigte. Sein erstes verlegerisches Projekt hieß "Das Schulhaus" und beschäftigte sich mit der optimalen Ausstattung von Schulgebäuden. Vor allem durch seine Zeitschrift "Die Schönheit" zwischen 1902 und 1914 wurde er zu einer bekannten Persönlichkeit. Kurz danach begann er mit der Herausgabe der Zeitschrift "Geschlecht und Gesellschaft", die ebenfalls ziemliches Aufsehen erregt hat und die große Namen als Autoren hatte.

Aufgrund wirtschaftlicher Probleme mußte er seine Zeitschriften 1914 abgeben. Sie wurden noch bis gegen Ende der 1920er Jahre in Dresden weitergeführt. Ein Neustart (Das Neue Reich) scheiterte.

Vanselow gibt an, daß er In den 1930er Jahren von dem Regisseur und Autor Jan Fethke zu Esperanto gebracht worden sei. Vanselow, der schon seit seiner Schulzeit Gedichte geschrieben hatte und Ende des 19. Jahrhundert als Dichter erwähnt wird, begann nun Gedichte in Esperanto zu veröffentlichen. Nach 1945 gab er in Berlin eine Serie von Heften mit eigenen Schöpfungen und Übersetzungen populärer Lieder heraus, die für den praktischen Einsatz im Unterricht oder für Kulturveranstaltungen gedacht waren. Er selbst organisierte Liederabende und nahm bis kurz vor seinem Tod Ende 1959 an Esperanto-Kongressen teil.

Ein ausführlicher Lebenslauf